Ofenbaumeister Roland Wolf
Handwerk in Holzhausen
20 Portraits und Kurzprotokolle von Handwerker_innen in ihren Räumen, C-Prints, 50x70 cm, Edition von 25 Exemplaren, Leipzig/Holzhausen 2012

In Holzhausen (Leipzig) habe ich meine ersten Lebensjahre verbracht und noch ein paar weitere meiner Jugend. Heute komme ich einige Male jährlich zu Besuch. Wie sich bei einem Friedhofsbesuch in jungen Jahren herausstellen sollte, war bereits mein Urgroßvater aus Holzhausen.

 

Mein Interesse an Handwerkern und deren Räumen, die oftmals aufgeladen sind durch biographische Erzählungen, wurde weit entfernt von hier ins Leben gerufen. In Belgrad (Serbien) gibt es noch viele alte Handwerksbetriebe in vielleicht letzter Generation. Und mir, die ich vor Langem das rare Handwerk der Drechslerin erlernte, kam recht bald der Gedanke, diese gefährdeten Sehnsuchtsorte untersuchen und festhalten zu wollen. Im Sommer diesen Jahres werde ich die Bild- und Textserie "Handwerk in Belgrad" vor Ort realisieren.

 

In meiner davon inspirierten, in und für Holzhausen entstandenen, Fotoserie «Handwerk in Holzhausen» habe ich seit Februar 2012 in mehreren Etappen weitwinklige Foto-Aufnahmen der Holzhäuser Werkstätten und Arbeitsräume mit und ohne Handwerker, sowie kurze Interviews zur Geschichte der Läden und deren Inhabern realisiert.

 

Der Blick in die Räume versucht ein Porträt des Ortes und ihrer Bewohner zu skizzieren.
Dabei ging es mir vor allem darum, fotografisch abzubilden, wie sich Erinnerung und Veränderungsprozesse in Räumen ablagern und ausdrücken können und darum, in den Interviews herauszufinden, wie in einem Dorf wie Holzhausen zeitgeschichtliche Strömungen und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in privaten Lebensentwürfen wiederzufinden, bzw. in biographischen Erzählungen gespeichert ist.

 

In den oft kleinen, nicht immer öffentlichen Räumen, in denen pragmatisch verdichtete Anordnungen als Werkstatt, Arbeitsraum, Archiv und Materiallager fungieren, scheinen sich die oft sehr eigenen Charaktere und Erzählungen der Inhaber eingeschrieben zu haben. Für mich öffnete sich mit jedem Ort ein Stück unentdecktes Land, ich näherte mich mit den Streifzügen in das Neben-, Nach- und Durcheinander immer auch Abbildungen meiner inneren, unbekannten Welt.

 

Wie ein roter Faden zogen sich Erzählungen über meine Vorfahren, über die ich vorher kaum etwas wusste, durch meine Arbeit und stießen mich an meine eigene Geschichte zu hinterfragen.